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BeitragVerfasst: 31. Jul 2018, 21:50 
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Hallo Chris,

herzlichen Dank für Deine aufbauenden Worte. :2thumbs

Nachdem Ihr den Eröffnungsthread und das 1. Update (hoffentlich :daumendreh2 ) "verdaut" habt, werde ich in naher Zukunft 3 - 4 schon fertig vorbereitete weitere Updates nachlegen.

LG - Uwe :gruen

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BeitragVerfasst: 1. Aug 2018, 12:04 
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2. Update

    Hilfstruppen-Kavallerie - Decurio und Eques

    - entsprechendes Vorbild im Gemälde von McBride
    - ursprüngliche Figur vor der Bemalung oder dem Umbau, Hersteller
    - als Vorbild verwendete originale Ausrüstungsteile
    - fertige Figur im Diorama

Die genaue Zusammensetzung der von Tacitus genannten ca. 10.000 Mann unter Paulinus' Kommando während der Schlacht an der Watling Street ist leider nicht überliefert. Namentlich erwähnt wird ausschließlich die Anwesenheit der Legio XIV Gemina sowie einer Vexillatio der Legio XX Valeria (Vexillatio = Abordnung, Detachement, es war also nicht die komplette 20. Legion an der Schlacht beteiligt) sowie einiger nicht namentlich benannter Auxiliar- (Hilfs-) Truppenteile, Kavallerie und Infanterie. Die Sollstärke einer römischen Legion in der Mitte des 1. Jhdts betrug ungefähr 5.490 Mann (Quelle: Wikipedia.de "Römische Legion"), zwei volle Legionen in Sollstärke wären somit also alleine ca. 11.000 Mann stark gewesen.

Dass Tacitus die Mannschaftsstärke der beiden Legionen plus Hilfstruppen auf lediglich 10.000 beziffert, mag daran gelegen haben, dass beide Großverbände schon während der Kämpfe auf der Insel Mona (Anglesey) gegen die Druiden Verluste erlitten haben werden und Legio XX Valeria ohnehin nicht vollständig war. Inwieweit Legio XIV überhaupt vollständig gegen die Druiden ins Feld gezogen ist, muss spekulativ bleiben; vermutlich verblieb ein bestimmter Teil dieser Legion zwecks Bewachung des selben von vorn herein im eigentlichen Standlager Viroconium (Wroxeter, Quelle Wikipedia.de).

Jedenfalls kann angenommen werden, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil der von Tacitus angegebenen 10.000 Bewaffneten aus Auxilia (Hilfstruppen) bestand, die gemäß römischer Standard-Prozedur links und rechts des Zentrums (wo die Legionen standen) aufgestellt waren, die Kavallerie dabei jeweils auf den äußersten Flügeln.

Jetzt wird's noch einmal kurz etwas theoretisch. Die Römer bezeichneten ihre Kavallerie-Hilfstruppenteile als "Alae" (Ala = Flügel, entspricht taktisch in etwa einem neuzeitlichen Kavallerie-Regiment). Diese wurden überwiegend nicht aus römischen Bürgern, sondern den Angehörigen verbündeter oder unterworfener Völker gebildet. Geführt wurden sie von einem Praefectus Alae.

Die Ala setzte sich im Idealfall wiederum aus 16 Turmae (Turma = Schwarm, entspricht etwa einer Schwadron) zu je 32 Reitern zusammen, ergibt 512 Mann, diese Einheiten bezeichnete man als Alae Quingenariae (centum quinque = Fünfhundert).

Daneben gab es auch größere Alae, bestehend aus ca. 1.000 Mann, diese Einheiten bezeichnete man als Alae Milliariae (millia = Tausend). Deren Zusammensetzung ist jedoch nicht so eindeutig wie bei der 500 Mann starken Einheit; verschiedene Theorien gehen von 24 Turmae à 32 Reitern (= 768) bzw. 24 Turmae à 42 Reitern (= 1.008) aus. Quellen: Marcus Juncelmann ("Die Reiter Roms, Teil II - Reitweise und militärischer Einsatz", Seite 62) und Peter Connolly ("Tiberius Claudius Maximus - ein römischer Reiter", Seite 6).

Auf meinem Diorama habe ich 4 Reiter repräsentativ als die Spitze einer antrabenden Turma dargestellt, die gerade zur Verfolgung der zurück geschlagenen Britannier ansetzt - im einzelnen:

    - einen Decurio (Befehlshaber und Anführer einer Turma, entspricht taktisch etwa dem Centurio der Infanterie)
    - einen Eques (= Reiter, einfacher Kavallerist, Plural = Equites)
    - einen Signifer (Signum = Feldzeichen, also Feldzeichenträger der Kavallerie)
    - einen Liticen (Lituus = gebogenes Musikinstrument, beim römischen Militär für akustische Signale verwendet, also Bläser)

In diesem Teil werde ich zunächst den Decurio und einen Eques vorstellen. Auf dem Gemälde von Angus McBride sehen wir die Figuren, die mir als Vorbild dienten, am linken Rand:

Bild
Quelle - editierter Ausschnitt aus dem Vorbild-Gemälde:
https://i.pinimg.com/736x/77/97/a7/7797a783b1658dadbde6f242709e31d4--roman-britain-roman-legion.jpg

Wie ich schon im Eröffnungsbeitrag zu diesem Thema schrieb, sind die abgebildeten Reiter Angehörige einer Cohors Equitata (= berittene Kohorte; Kohorten waren eigentlich reine Infanterieverbände, Cohortes Equitatae bildeten als gemischte Verbände aus Reitern und Fußsoldaten eine Ausnahme). Da ich die Reiter aber als Angehörige eines Hilfstruppen-Kavallerie-Regiments (Ala) darstellen wollte, habe ich ihre Ausrüstung entsprechend etwas abgeändert und dabei versucht, die Haltung der beiden Reiter möglichst genau ihren Vorbildern auf dem Gemälde anzugleichen.


Der Decurio

wurde aus verschiedenen Elementen zusammengebaut. Leider habe ich damals nur ein einziges Foto während seiner Bauphase erstellt. Der Kopf mit Helm stammt von der nachfolgend verlinkten Figur von "Andrea Miniaturas", den mir ein Modellbaufreund, der sich wie ich für römisches Militär interessierte, damals freundlicherweise als Abguss zur Verfügung gestellt hatte, während das Pferd wiederum aus der "Airfix"-Serie mit 54 mm-Figuren ("Life Guard, Waterloo 1815") stammt.

Bild Bild
Quellen
links : http://www.andreaeurope.com/fotos/andrea/Serie-General/detallegran/SG-F12-03.jpg
rechts: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51VBRz2oy6L.jpg

Die Figur selbst wurde aus verschiedenen Materialien gescratcht. Der Rumpf aus Holz grob mit Milliput überzogen, die Gliedmaßen aus Gussästen, die über eine Kerze gehalten in die gewünschte Haltung gebogen, anschließend gefeilt, geschmirgelt und wo nötig mit Milliput skulptiert wurden. An Materialien wurden verwandt:

    - Holz für Schwert, Schwertscheide und den Köcher für kurze Wurfspieße
    - Tubenblech für das Schwertscheidenmundblech, Teile des Pferdegeschirrs, Satteldecke mit Fransen, Satteldecke
    - stärkeres Blech aus Katzenfutterdosen für den Schild des Reiters
    - sehr dünne Metallfolie (Deckel von Quarkdosen) ausgestanzt und für den Schuppenpanzer verwendet
    - Milliput für die Zierscheiben, Pferdemähne, Sattelhörnchen, Rosshaarbusch des Helms, Feldflasche

Bild

Als Vorlage für den Helm des Decurios wählte ich ein Exemplar, "das im Kastell Butzbach in Hessen gefunden wurde und einen späten Vertreter des Typus Koblenz-Bubenheim/Weiler darstellt. Stirnband und Wangenklappen sind mit einem feinen Federmuster verziert" (Quelle: Marcus Junkelmann, "Die Reiter Roms Teil III - Zubehör, Reitweise, Bewaffnung", S. 190). Im Netz fand ich davon leider kein Originalfoto, dafür aber eine schöne, computeranimierte Rekonstruktion sowie ein Foto aus dem Reenactment-Bereich. Der Helm von Butzbach wird bei Junkelmann (s. o.) zwar in das 2./3. Jhdt. datiert, andernorts aber ins 1. Jhdt., so dass ich es für vertretbar hielt, diesen Typus, der stilistisch m. E. ohnehin eher ins 1. Jhdt. passt, in meinem Diorama zu verwenden.

Bild
Quellen
links : https://www.cgtrader.com/3d-models/character/clothing/ancient-rome-auxiliary-cavalryman-props-set
rechts: https://www.romanarmytalk.com
(der Direkt-Link auf das rechte Bild funktioniert nicht mehr (Photobucket-Problem), daher hier nur allgemeine Quellenangabe)


Der Eques

Für den Eques (= Reiter, Plural Equites, von lat. Equus = Pferd, nicht zu verwechseln mit Equitus = röm. Ritter) konnte ich auf eine vorhandene Figur der Fa. "Vaillant", Artikelnr. 9916 (ehemals herausgegeben von der Fa. "Squadron / Rubin" Nr. 180) "Roman Auxiliary Cavalry Trooper" zurückgreifen. Nachfolgende Fotografie der Verpackung zeigt die "Box Art", die ebenfalls noch von dem inzwischen leider verstorbenen Illustrator Angus McBride stammt:

Bild
Quelle: eigenes Foto von der Verpackung

Das im vollen Galopp befindliche Pferd hatte ich aber nicht verwendet. Wenn ich mich recht entsinne, benutzte ich für meinen Reiter das Pferd des „Polish Lancer“, das ebenfalls aus der 54 mm-Serie Waterloo von "Airfix" stammte. Ich bin mir da aber nicht mehr sicher, so dass ich davon an dieser Stelle kein Bild des selben zum Vergleich zeige.

Beim Reiter habe ich die Haltung nicht verändert, sondern lediglich kleine Ergänzungen am Helm, insbesondere seinen Wangenklappen vorgenommen. In der Hauptsache habe ich seine Schulterdoppelung aus Kettenpanzer abgeschliffen und durch eine Panzerung aus geschobenen Schienen (aus Tubenblech) ersetzt, analog zur Lorica Segmentata der schweren Legionsinfanterie. Für das leicht antrabende Pferd mußte ich die ursprünglichen Geschirrteile abschleifen, die Haltung entsprechend der Gemälde-Vorlage von Angus McBride anpassen, und Sattel, Kopfgeschirr, Lederriemen, große und kleine Zierscheiben, Gepäck - wie bereits oben beim Decurio beschrieben - neu aufbauen.

Bild

Bild

Bild

Bild

Beim Aussehen des Reiters habe ich mich an dem bekannten Relief-Fries aus Arlon, Luxemburg, orientiert, dass passenderweise in die Mitte des 1. Jhdts. n. Chr. datiert wird - siehe nachfolgende Abbildung. Marcus Junkelmann ("Die Reiter Roms - Teil III: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung", S. 186) beschreibt auch ihre Körperpanzerung sinngemäß in der Weise, dass sie statt der üblicherweise zusätzlichen Auflage aus Kettenpanzer das obere Teil eines Segmentpanzers über die empfindliche Schulterpartie montiert haben. Der Helm meines Reiters ist einem Kavalleriehelm vom Typus Weiler nachempfunden, siehe hierzu die Rekonstruktion einer Reenactment-Gruppe:

Bild
Quelle: https://rambambashi.files.wordpress.com/2011/07/arlon_relief_cavalry2.jpg

Bild
Quelle: http://legio-iiii-scythica.com/images/rgm/pic-2a.jpg


Decurio und Eques im Diorama

Bild

Bild


Wird fortgesetzt


LG - Uwe :gruen

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BeitragVerfasst: 1. Aug 2018, 18:28 
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Wozu Airfix Pferde nicht alles zu gebrauchen sind. Deine Senftuben-Jungs sind super. :wink2


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BeitragVerfasst: 1. Aug 2018, 21:15 
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Oh, Du hast auch einen Hund zum Dio hinzugefügt (letztes Bild rechts)? :wink2

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Stefan


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BeitragVerfasst: 2. Aug 2018, 01:18 
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Hallo Stefan, stimmt, der ist auch nach April d. J. (Lingen) dazu gekommen. Hab mir wohl die Anfangssequenz von "Gladiator" zu oft angesehen

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BeitragVerfasst: 4. Aug 2018, 07:14 
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Mann, Mann, das ist ja mal Figurenbau. Wenn man mit dem Wissen wie du an der Sache arbeitest das Gesamtwerk betrachtet, ich kenne es ja "Live", kann man nur Staunen. Ein tolles Werk, Uwe.

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Gruß vom Niederrhein
Thomas


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BeitragVerfasst: 4. Aug 2018, 09:08 
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Hallo Uwe,

auf dem letzten Bild Deines Eques erkennt man Ornamente im Fell
des Pferdes. Waren das Tattoos?

Schönes Wochenende
möglichst durchzugsfrei
wünscht
Achim

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Schöne Grüße aus Dinslaken

Achim


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BeitragVerfasst: 4. Aug 2018, 10:01 
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Beeindruckend Uwe!
Die Geschichte und das Umsetzung ins Leben!
Gestern habe dich beim zaubern beobachten, und die Multiput Modulation ist Wahnsinn!
Ich würde gerne weiter deinen Werke bewundern. Weiter so!

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Gruß aus "Ka-Li"


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BeitragVerfasst: 4. Aug 2018, 14:54 
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Liebe Freunde,

herzlichen Dank für Euer Lob und Eure freundlichen Worte.

Thomp hat geschrieben:
Mann, Mann, das ist ja mal Figurenbau. Wenn man mit dem Wissen wie du an der Sache arbeitest das Gesamtwerk betrachtet, ich kenne es ja "Live", kann man nur Staunen. Ein tolles Werk, Uwe.

Hallo Thomas,

meinen besten Dank dafür, und das Staunen ist durchaus gegenseitig, wie Du ja weißt. :wp-cool

steamjo hat geschrieben:
Hallo Uwe,

auf dem letzten Bild Deines Eques erkennt man Ornamente im Fell
des Pferdes. Waren das Tattoos?

Schönes Wochenende
möglichst durchzugsfrei
wünscht
Achim

Hallo Achim,

ich danke Dir. Nicht Tattoos, sondern Brandzeichen. Laut Marcus Junkelmann ("Die Reiter Roms - Teil I", Kapitel II "Zucht und Pflege", Seite 50) "... wurden die Fohlen ab dem 5. Monat mit dem Brandzeichen (lat. character = Zeichen) versehen." Leider hat er die entsprechende antike Textstelle aber nicht benannt.

Jedenfalls hat der bekannte Illustrator Angus McBride in "Imperial Rome at War (Concord Publications)" auf Tafel 5 und Tafel 6 solche Brandzeichen auf römischen Kavalleriepferden dargestellt und ich hab sie für mein Diorama entsprechend übernommen. :breit

(Achtung! Insider-Modus an) Versicherung, Glaser und Vermieter sind involviert und zeigen sich alle kooperativ :blush-pfeif2 (Insider-Modus wieder aus)

dimonchik hat geschrieben:
Beeindruckend Uwe!
Die Geschichte und das Umsetzung ins Leben!
Gestern habe dich beim zaubern beobachten, und die Multiput Modulation ist Wahnsinn!
Ich würde gerne weiter deinen Werke bewundern. Weiter so!

Hi Dimi,

herzlichen Dank für Dein Lob ("zaubern"), das mich fast schon ein wenig verlegen macht. :blush-pfeif2

Aber ich weiß es auf jeden Fall zu schätzen und wenn ich mit Milliput annähernd so gut modulieren könnte, wie Du mit Farben ...

LG - Uwe :gruen

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BeitragVerfasst: 10. Aug 2018, 00:51 
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3. Update

    Hilfstruppen-Kavallerie - Signifer und Liticen

    - entsprechendes Vorbild im Gemälde von McBride
    - ursprüngliche Figur vor der Bemalung oder dem Umbau, Hersteller
    - als Vorbild verwendete originale Ausrüstungsteile
    - fertige Figur im Diorama

In diesem Teil werde ich den Signifer (Feldzeichenträger) und den Liticen (Signalbläser) vorstellen. Auf dem Gemälde von Angus McBride sehen wir die Figuren, die mir als Vorbild dienten, schemenhaft im Hintergrund. Den Feldzeichenträger kann man dabei noch recht gut erkennen, ein Signalbläser ist aber eigentlich nicht sichtbar. Auf dem Bild ist lediglich noch der Kopf eines weiteren Pferdes sowie ein Teil vom Helm seines Reiters sichtbar:

Bild
Quelle - editierter Ausschnitt aus dem Vorbild-Gemälde:
https://i.pinimg.com/736x/77/97/a7/7797a783b1658dadbde6f242709e31d4--roman-britain-roman-legion.jpg

An dieser Stelle hielt ich es für reizvoll, hier noch einen Militärmusiker für die Kavallerie einzubauen, schließlich hatte ich von der Vorlage her ja alle Freiheiten, da von diesem Reiter ausser der Helmspitze keine Details zu erkennen sind. In der Gesamtkomposition für das Diorama machte es auf jeden Fall Sinn. Links im Hintergrund reitet die Turma (Schwadron) an, vorneweg, wie es sich gehört, der Decurio, daneben ein einfacher Reiter und direkt dahinter der berittene Feldzeichenträger mit dem Signum der Turma, der Signifer. Den Befehl zur Verfolgung der zurück geschlagenen Kelten gibt der Feldherr, Gaius Suetonius Paulinus, vom hinteren rechten Rand des Dioramas. Der Liticen hat diesen Befehl aufgenommen und gibt ihn als akustisches Signal an den Decurio und die Turma weiter. Wobei - nicht zu vergessen - diese Schwadron hier nur repräsentativ für ein ganzes Reiterregiment (Ala) steht; siehe meine Erläuterungen zum Aufbau einer Ala im 2. Update.


Der Signifer

Für die Figur des Reiters kamen wieder die gleichen Materialien und Scratch-Techniken zum Einsatz wie für den Bau des Decurios (siehe oben Teil 2 Vorstellung der Einzelfiguren). Allerdings bekam der Signifer ein Kettenhemd. Um die unruhige Struktur dieser Panzerung anzudeuten, habe ich den Kettenpanzer nicht mit Milliput skulptiert; man hätte darin zwar mit einem entsprechenden Tool einzelne Ringstrukturen produzieren können, das war mir damals aber zu aufwändig. Ich modellierte den Kettenpanzer mit grobem Holzspachtel, um so schon eine etwas unruhige Oberfläche zu erzeugen.

Die einzelnen Kettenglieder habe ich dann später andeutungsweise als kurze helle Striche aufgemalt, eine Technik, die - so deute ich es - auch Angus McBride teilweise bei seinen Gemälden verwendet hat. Fällt hier im Gemenge nicht so auf.

Das Pferd stammt aus dem Kit von "Italeri" Nr. 6437 ("German Horse drawn Convoy") - ich hatte mal auf der Intermodellbau in Dortmund alle 4 Pferde dieses Sets günstig für mich auf Vorrat erstanden. Seine Haltung als schwer arbeitendes Zugpferd paßte ganz gut, weil es am hinteren Ende meines Dios eine kleine Steigung zu erklimmen hat. Alte Geschirrteile mußten natürlich entfernt und römisches Riemenzeug neu aufgebaut werden.

Bild

Bild

Bild

Als Vorlage für den Helm des berittenen Signifers (Feldzeichenträger, von Signum = Feldzeichen) wählte ich die Hinterhauptkalotte eines Maskenhelms, der im Lager Trimontium (Newstead, England) ohne die zugehörige Gesichtsmaske gefunden wurde, letztere läßt sich aber nach ähnlichen Funden gut rekonstruieren. Den Helm habe ich komplett aus Milliput, Tubenblech (für Nacken- und Stirnschirm) sowie Isolierband (für den Befestigungsriemen) aufgebaut. Das Exemplar aus Newstead wird von Jochen Garbsch ("Römische Paraderüstungen") noch ins 1. Jahrhundert datiert, zugegebenermaßen zwar an dessen Ende, im weiteren Verlauf dieses Bauberichts werde ich beim Infanterie-Signifer aber noch belegen, dass dieser Helmtyp auch bereits am Beginn des 1. Jhdts. n. Chr. und somit wohl auch zum Zeitpunkt der von mir dargestellten Schlacht getragen wurde. Hier ein Bild des originalen Rückteils:

Bild
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Newstead_Helmet

Dass dieser Helmtyp von Kavallerie-Signiferi getragen wurde, belegt der nachfolgend abgebildete Grabstein des Sextus Valerius Genialis von der Ala Thraecum (Thrakisches Reiterregiment), gefunden in Corinium Dobunnorum (Cirencester, England). Das Kopf-Zaumzeug seines Pferdes zeigt zudem auch viele kleine Phalerae (Zierscheiben), wie ich sie in meinem Diorama ebenfalls verwendet habe:

Bild
Quelle: https://i.pinimg.com/564x/e3/28/1b/e3281b39e7154ddcd7a6e50b779921ad.jpg

Das Kavallerie-Signum mit Blattanhängern stammt vom nachfolgend abgebildeten Grabstein des Quintus Carminius Ingenuus, Signifer in der Ala Prima Hispanorum (1. Spanisches Reiterregiment), Kastell Biriciana (Weißenburg, Bayern), belegt im 2. Jhdt. n. Chr. Sicher hätte ich an dieser Stelle ein attraktiveres Kavallerie-Feldzeichen rekonstruieren können, ich wollte damals aber den Wiedererkennungseffekt zum Vorlagegemälde erhalten.

Bild
Quelle: http://lupa.at/16778


Der Liticen

Vom Liticen habe ich während seiner Bauphase leider kein einziges Photo geschossen, das ich Euch hier zeigen könnte. Die Herstellung erfolgte aber mit den gleichen Materialien und Bautechniken wie bei den voran gegangenen Figuren. Der Kopf mit Helm stammt wieder wie beim Decurio (siehe oben 2. Update) von "Andrea Miniaturas", das Pferd wie oben beim Signifer geschildert von "Italeri" Nr. 6437 ("German Horse drawn Convoy"). Einzig wirklich neues Element ist das Musikinstrument, der Lituus, den ich hierfür selbst erstellt habe (ein kurzes Stück Kupferdraht, eine nach oben gebogene, oben offene Tröte aus Milliput, sauber verschliffen und ein paar Bänder aus Isolierband darum).

Vorbild für meine Rekonstruktion war der Lituus, der im Rhein bei Düsseldorf gefunden worden sein soll:
Bild
Quelle: https://i.pinimg.com/564x/cf/4b/58/cf4b584ea08968dbdb401791a4ff1edc.jpg

Allerdings fand ich keinen epigrafischen Beleg dafür, dass der Lituus tatsächlich von römischen Kavalleristen als akustisches Signalinstrument benutzt wurde. Scheinbar ist das bislang nur eine allgemein angenommene Hypothese. Marcus Junkelmann schreibt dazu sinngemäß, dass von diesem etwa 70 - 75 cm langem Instrument mehrere Exemplare, darunter zwei vollständige, noch bespielbare, gefunden worden seien und dass der im Vergleich zu anderen von den Römern militärisch verwendeten Musikinstrumenten (Tuba, Cornu, Bucina) eher kurze Lituus sich aufgrund seiner Handlichkeit recht gut als Musikinstrument der Kavallerie eignen würde. Außerdem verweist er auf eine Stelle bei Horaz, wonach "der Lituus zur Kavallerie gehöre und gekrümmt sei, die Tuba dagegen zum Fußvolk gehöre und gerade sei". (Marcus Junkelmann: "Die Reiter Roms, Teil II: Reitweise und militärischer Einsatz", Seite 141) .

Siehe hierzu auch eine Zeichnung des britischen Sachbuchautors, Illustrators und Experimantalarchäologen Peter Connolly, die u. a. einen Liticen im Mittelgrund des Bildes zeigt, im Vordergrund das von mir für den Kavallerie-Signifer verwendete Signum. Diese Figur des Liticens mit seinem an der Hüfte und den kurzen Ärmeln gezackten Kettenhemd habe ich in Ausrüstung und Körperhaltung als Vorbild für meine Figur verwendet:

Bild
Quelle: https://i.pinimg.com/originals/5f/ca/4d/5fca4d65c9acd4695a4e503428f8ce9f.jpg
(seitenverkehrtes Foto in der Quelle von mir gedreht, optisch aufgehellt und hier ausschnittweise verwendet)

Die Zeichnung ziert den Einband von Peter Connolly's Buch "Tiberius Claudius Maximus - Ein römischer Reiter". Thema eines weiteren, vorher gehenden Buchs ist "Tiberius Claudius Maximus - Ein römischer Legionär" - beide Bände beschreiben den Weg des historisch belegten Tiberius Claudius Maximus vom einfachen Legionär der Legio VII Claudia Pia Fidelis zum Quaestor Equitum (Zahlmeister der Kavallerie), Singularis (Gardereiter) seines Legionskommandeurs, Vexillarius Equitum (Fahnenträger der Kavallerie), Explorator (Aufklärungsreiter) und letztlich zum hoch dekorierten Decurio (Führer einer Schwadron) in der Ala Secunda Pannoniorum (= 2. Pannonisches Reiterregiment) - als den Mann, der den dakischen König Decebalus fing. Beide Bände erschienen im Tessloff Verlag und sind m. E. - wie alle Publikationen von Peter Connolly - jedem, der sich für diese Thematik interessiert, zu empfehlen.


Signifer und Liticen im Diorama


Bild

Bild

Bild

Bild


Wird fortgesetzt


LG - Uwe :gruen

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BeitragVerfasst: 12. Aug 2018, 16:29 
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Erstaunlich, wie Du diese Figuren erstellst! :applaus

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LG

Stefan


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BeitragVerfasst: 12. Aug 2018, 19:06 
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Hammer,

gefällt mir ausgesprochen gut. Tolle Modellierleistung. :applaus :applaus

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..........Gruß..........
.........Roland.........


Ein Kleber, der nicht klebt, klebt nicht.
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BeitragVerfasst: 12. Aug 2018, 23:01 
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ValleDeVinales hat geschrieben:
Erstaunlich, wie Du diese Figuren erstellst! :applaus
Kleber hat geschrieben:
Hammer,

gefällt mir ausgesprochen gut. Tolle Modellierleistung. :applaus :applaus


Hallo Stefan und Roland,

danke für Euer Lob. Tut gut. Und sooo schwer ist das mit dem Modellieren auch gar nicht, zumal ich keine reiner Modellierer bin, sondern eigentlich eher "scratche", d. h. vorhandene Teile wie Gußarme derart verbiege, dass sie wie Arme oder Beine schon mal die richtige Grundstellung haben und dann 'nur' ein wenig Milliput für die Muskeln drauf klatsche, alles glattstreiche und Kleidungsstücke wie Ärmel oder das untere Ende von Tunica's auch schon mal gerne aus Tubenblech erstelle. Würde ich alles von Grund auf modellieren, wär's mir auch zu aufwändig. Köpfe zu modellieren versuch ich erst gar nicht, da nehm ich alles was ich kriegen kann (Airfix WW II, usw.) und Helme oder Haare aufmodellieren ist dann wieder kein großes Problem. Dem Signifer in meinem letzten Update, dem hab ich die Gesichtsmaske mal selbst modelliert - und das sieht man dem Armen auch an ... :wp-sad :blush-pfeif2

LG - Uwe :gruen

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BeitragVerfasst: 14. Aug 2018, 10:30 
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Hallo Uwe,

tolles Update hast Du da eingestellt. Vielen dank dafür.

Der Signifier ist ja, wie die Körperhaltung belegt, ganz schön fertig.
Kein Wunder, wenn er den ganzen Tag so ne Stange durch die Gegend
schleppen muss, und auch noch aufpassen muss, nirgendwo hängen zu bleiben.
Und dann noch die ganze von hinten angetrötet wird. Dem hätte ich mit der
Stange die Kauleiste verbogen. Klarer Fall von Reichweitenvorteil. ich finde, beim
Erobern passt Tröten einfach nicht.

Die Gesichtsmaske ist Dir doch gelungen. Ich weiss nicht , was Du hast. Der Herr
hatte ne Knubbelnase und hat an der Maske solange rumgehämmert ( Vorlage für
eine neuzeitliche Fernsehserie, wenn man es denn hören kann ) bis der Zinken reingepasst
hat. Die Masken werden ja noch nicht im Gesenk geschmiedet worden sein.


Leider kannst Du ja jetzt nicht mehr auf Durchzug schalten. pausierst Du dann jetzt
mit diesem Dio und machst mit dem Paddelboot weiter? Da könntest Du dann aber
die römische Variante eines Leinenschussgewehrs draufbauen.

Viel Spass weiter
und warte nicht zu lange mit dem nächsten Abdate.
Achim :wink2

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Schöne Grüße aus Dinslaken

Achim


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BeitragVerfasst: 15. Aug 2018, 14:14 
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Hallo Achim,

herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar. Die nächsten 2 1/2 Updates sind in Vorbereitung und werden in kurzen, bemessenen Abständen bald folgen. Danach werden die zeitlichen Abstände etwas größer, weil - die Schreiberei doch viel mehr Zeit in Anspruch nimmt als ich vorher jemals gedacht hätte. Aber einmal damit angefangen, will ich auch da durch. :datz

Zum gleichzeitigen Schiffsbau und -baubericht: immerhin werkele ich ja schon das ganze Jahr am großen Römerdio herum. Erst wollte ich es nur für das erste Forentreffen (mein erstes überhaupt) vorzeigbar reparieren, dann erste Ergänzungen aufgrund der Idee, es in Lingen in den Wettbewerb zu geben und danach der Einfall, noch 4 - 5 Figuren incl. Wolf/Hund zusätzlich und weitere Battlefield-Debris (einen passenderen Ausdruck in deutsch kenn ich leider nicht) drauf zu packen. Weitere Ideen bzgl. Veränderung des Sockels oder noch einen Adler über die ganze Szenerie schweben zu lassen, schwirren noch im Hinterkopf. :daumendreh2

Aber irgendwann mußte ich es auch einfach mal an die Seite stellen und da kam mir der Neuland-Groupbuild grade recht. Da bin ich im Moment mehr dabei, schwer zu forschen :buch als zu bauen. Ob ich das parallele bauen/Bauberichte schreiben zeitlich gut gehändelt bekomme, weiß ich im Moment auch noch nicht so recht - das ist das wahre Neuland für mich. :wp-confused :blush-pfeif2

LG - Uwe :winken2

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BeitragVerfasst: 15. Aug 2018, 19:47 
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Hallo Uwe,

jetzt nicht schlapp machen. So viel habe ich selten auf einen Schlag über
die alten Römer gelernt. Bsp das die Herren schon Gesichtsmaken kannten.
Also schön weiter machen. Die WM ist vorbei.

Schöne Grüße
Achim

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Oh Mann, selbst meine Oma ist schneller als Du, Bretorianer!


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BeitragVerfasst: 15. Aug 2018, 19:53 
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Sehr viel Geschichte, die man auch braucht, um das alles so korrekt zu machen.

Danke für die vielen Informationen.

Sehr schöne Sachen, die du daraus machst :applaus

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Es grüßt der Reinhart

Exercitatio potest omnia


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BeitragVerfasst: 15. Aug 2018, 22:20 
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Hallo Freunde,

@Achim,
I'll try to do my very best (leicht ergänztes Jahresendzitat). :wp-cool

@Reinhart,
dank Dir für Dein Lob. Ich hatte immer Sorge, dass es zuviel Text sein könnte. Deine Worte bestärken mich, auf diesem Weg weiter zu machen. :wp-biggrin

LG - Uwe :gruen

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BeitragVerfasst: 13. Sep 2018, 09:41 
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Uwe,

alter Römerkenner. Die Zeit vergeht rasant, Dein letztes Update gab es vor
einem Monat. Haste noch was vor meinem Urlaub in der Pipeline?

_________________
Schöne Grüße aus Dinslaken

Achim


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BeitragVerfasst: 13. Sep 2018, 22:28 
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Hallo Achim,

tja, da kam der große Zusammenbruch dazwischen.


4. Update

    Der Militärtribun

    - entsprechendes Vorbild im Gemälde von McBride - entfällt
    - ursprüngliche Figur vor der Bemalung oder dem Umbau, Hersteller
    - als Vorbild verwendete originale Ausrüstungsteile
    - fertige Figur im Diorama

Die Figur des Miltiärtribuns (Tribunus Militaris oder Tribunus Militum) kommt im Vorlagegemälde nicht vor. Ich fand es aber passend, ihn an dieser exponierten Stelle vor der eigenen Front der erschöpften Legionäre aufzustellen. Indem er eine erbeutete Eber-Standarte triumphierend in Richtung der zurückgeschlagenen Angreifer hoch reckt, steht er hier symbolisch für die sich (außerhalb des im Diorama dargestellten Geschehens) zurückziehenden Britannier.

Dies ist ein gerne in Dioramen angewandter Kniff, eine Übermacht an gegnerischen Figuren außerhalb der Grundfläche eines Dioramas oder Vignette durch die Haltung der dargestellten Figuren anzudeuten. Zum Beispiel meisterhaft angewendet durch den US-amerikanischen Modelleur und Figurenbemaler Bill Horan in seinem bahnbrechenden Diorama "Gandamak" von 1988 mit insgesamt 27 Figuren. Dieses mehrfach preisgekrönte Meisterstück wurde in verschiedenen Internet-Foren gelegentlich als "Mother of all Dioramas" bezeichnet; für mich damals der Antrieb, mich mit Dioramen zu befassen.

Als Grundlage für die Figur diente mir Nr. SG-F24 "Roman Centurion in Battle (AD 125)" von "Andrea Miniaturas".

Bild
Quelle: http://www.andreaeurope.com/en/1/andrea-miniatures/111/series-general/283/sg-f24-roman-centurion-in-battle-ad-125.html#!prettyPhoto

Zum Einsatz kamen nur der Rumpf und die Beine. Die Arme wurden aus in Form geschliffenen Gußästen erstellt, dieselben angebohrt und mit Stiften am Rumpf spielerisch in die richtige Pose gebracht, die Schwertklinge besteht aus Holz, Detailarbeit erfolgte mit Milliput. Der Kopf stammt aus der "Adam und Eva"-Serie von Preiser in 1:32. Die erbeutete Standarte mit dem Eber entstand aus normalem Kupferdraht und etwas Milliput:

Bild Bild

Bild

Bei der Vorlage für die kleine Eber-Statuette hatte ich mich ungefähr an diesem Gemälde von Angus McBride (Osprey-Verlag Men-at-Arms Series No. 158 "Rome's Enemies (2): Gallic and British Celts") orientiert. Allerdings hätte ich 'meinen' Eber ruhig etwas dünner, entsprechend originalen Funden (siehe hier) gestalten können.

Als Vorlage für den Helm des Tribunen hab ich mich damals (leider) für einen "apulo-korinthischen Helm" entschieden; andere in der Fachliterartur hierfür verwendete Begriffe lauten "etrusko-korinthisch", "italo-korinthisch" oder "pseudo-korinthisch":

Bild
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Apulisch-Korinthischer_Helm#/media/File:Ancient_Greek_Bronze_Helmet.jpg

Die Bezeichnung "pseudo-korinthisch" leitet sich von der Tatsache ab, dass diese Helme so aussahen wie "korinthische Helme", die von ihrem Träger nach hinten geschoben wurden, um vielleicht mal etwas frische Luft an die Gesichtshaut zu lassen - eine Darstellung, die man oft auf antiken Darstellungen findet, zum Beispiel bei der Büste des griechischen Strategen Perikles. "Leider" schrieb ich oben aus zwei Gründen.

Erstens wollte ich für den Tribunus mal einen anderen Helm verwenden, als den für römische Offiziere sonst immer wieder gern genommenen "attischen" Helm, wie wir ihn zur genüge aus Filmen und Rekonstruktionszeichnungen und zum Beispiel dem berühmten sog. "Praetorianer-Relief aus dem Louvre" kennen; und wie ihn ja auch "mein" Feldherr im Diorama trägt - siehe oben Antwort #15. Aber diese "Pseudo-Korinther", so imposant sie auch aussahen, waren eigentlich in Massen produzierte Helme, die neben anderen Typen (die ich hier jetzt nicht aufzählen will) zur Zeit der römischen Republik vor allem vom schweren Fußvolk, den Legionären, getragen wurden. Dieser Helmtyp wäre also für "meinen" Tribun nichts besonderes gewesen, es sei denn, man wollte ihn als antiquiertes Erbstück aus Familienbesitz heranziehen.

Zweitens habe ich ihn mit eigens applizierten Wangenklappen versehen, wie man sie gerne in heutigen Reproduktionen für Reenacter (siehe nächstes Bild) oder häufig auf Rekonstruktionszeichnungen findet, wie zum Beispiel hier (untere Reihe) oder hier.

Bild
Quelle: http://ferrangarreta.com/content/img/ferrangarreta.com_cascrecct.4g.jpg

Aber das sind alles moderne Rekonstruktionen, ich kenne keine einzige antike Darstellung (Statue, Graffito, Relief) oder archäologischen Fund, die einen pseudo-korinthischen Helm mit Wangenklappen zeigt - einzige Ausnahme: der rätselhafte Helm von Augustodunum (Autun, Frankreich), der alle Merkmale eines pseudo-korinthischen Helms, d. h. mit dem charakteristischen Gesicht auf der vorderen Helmkalotte und diesmal sogar mit Wangenklappen, zeigt:

Bild
Quelle: http://www.the-romans.eu/MY-museum/singlepage.php?path=Archeological-sites/Autun/aum001-gallic-helmet

Er wird in der Fachliteratur, z. B. Henry Russell Robinson ("Arms and Armour of Imperial Rome", S. 136 ff.) oder Michael Simkins ("The Roman Army from Caesar to Trajan") ins 1. Jhdt. n. Chr. datiert, beide schreiben ihn einem höheren Offizier, vielleicht sogar im Range eines Provinzgouverneurs zu. Aber der Helm ist nun wirklich sehr ausgefallen - der Nackenschutz soll beweglich sein und aus mehreren Segmenten bestehen und es wurde auch bereits vermutet, dass er auch nur als Kopfbedeckung für eine Statue gedient hat. Gleichwohl wäre er aber vermutlich eine bessere Alternative für einen Tribun gewesen, als der von mir verwendete "einfache" pseudo-korinthische Helm.


Der Tribun im Diorama

So stand die Figur etliche Jahre in der Vitrine:

Bild

Bis sie dann im Rahmen eines Umzugs ihres hochgereckten Armes und der Eber-Standarte verlustig wurde, den Eber selbst konnte ich zum Glück noch finden. Also begann ich am Beginn des Jahres 2018, einen neuen Arm und eine Hand zu erstellen und mit einer neuen Eber-Standarte zu verbinden. Die Figur selbst war und ist fest mit dem Diorama verbunden, sie irgendwie abzumontieren, hätte vermutlich neue Beschädigungen zumindest an der Bemalung nach sich gezogen. Also wurde ganz vorsichtig mit einem 0,8 mm-Bohrer ein kleines Loch in den Armstumpf gebohrt; auf dem linken Bild sieht man auch noch die ebenfalls abgebrochenen Helmbüsche des Tribuns und des Centurios:

Bild

Anschließend wurde die noch vorhandene Eber-Statuette auf eine neue Stange mit Aufsatz geklebt und 0,8 mm Draht in vier Windungen möglichst fest um die Stange gedreht und verklebt. Diese Konstruktion konnte ich dann mit dem Armstumpf verkleben und Arm und Hand mit etwas Milliput rekonstruieren, wobei der um die Stange gewundene Draht gut für die Finger der Hand genutzt werden konnte:

Bild


Der Tribun nach seiner Restaurierung

An seiner weißen Tunica trägt der Tribun zwei senkrecht verlaufende purpurne Streifen, die sog. Clavi (Einzahl = Clavus), die ihn als Angehörigen der römischen Ritterschaft ausweisen. Angehörige des senatorischen Adels trugen an gleicher Stelle etwas breitere Streifen; siehe oben - am Beginn dieses Updates habe ich einen informativen Wikipedia-Artikel verlinkt.

Einer dieser Militärtribunen ist uns mit der historischen Figur des Gnaeus Iulius Agricola überliefert. Agricola, der später (in den Jahren 77 - 84 n. Chr.) zum Statthalter der Provinz Britannien aufstieg, diente im Jahre 61 als junger Tribun im Stab des seinerzeitigen Statthalters und Oberbefehlshabers Paulinus (she. 1. Update) und könnte in dieser Position an der Schlacht teilgenommen haben.

Bild

Bild


Wird fortgesetzt


LG - Uwe :gruen

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